Johannes Kepler

Wesentliches des Leben UND WIRKEN RUND UM KEPLER Grafisch Veranschaulicht



Kepler History PNG

 

  Stich von Jakob van der Heyden  -  1620

Linzer Kupferstich-Ansicht des Matthäus Merian, 1949 (Ausschnitt)
Kepler History PNG

 Linzer Kupferstich-Ansicht

 des Matthäus Merian, von 1649 (Ausschnitt)

 

Linzer Astronomische Gemeinschaft - Zeittafel Kepler, 16. und 17. Jahrhundert

 

 

 

 

Zeittafel des 16. und des 17. Jahrhunderts

 

Eingetragen sind beispielhafte

Ereignisse aus Astronomie,Politik, Wissenschaft, Kunst & Kultur und Religion.


 Die Grafik soll den Umbruch vom Mittelalter zur Renaissance vermitteln.

 

Linzer Astronomische Gemeinschaft - Zeittafel von Johannes Kepler

Zeittafel von Johannes Kepler

 

Die Grafik enthält die wichtigsten Stationen im Leben und Wirken von Johannes Kepler.

 

Rote Zeitlinie: solange weilte Kepler in Linz. In keiner anderen Stadt wirkte er länger.

 

Gelbe Punkte: 5 Kinder von Barbara (Heinrich, Susanna, Susanna, Friedrich, Ludwig).

 

Rote Punkte: 7 Kinder von Susanne (Margarete Regina, Katharina, Sebald, Cordula, Friedmar, Hilbert, Anna Maria).

 

Kreuze: diese Kinder verstarben unmittelbar nach der Geburt.











Keplers Zeit vor Linz


Grazer Uhrturm PNG

 

 

 

Kepler in Graz

WEITERLESEN
link broken

Nach seinem Theologiestudium in Tübingen kam Johannes Kepler im Jahr 1594 nach Graz. Dort war der Mathematiklehrer Georg Stadius verstorben und die steiermärkischen Stände ersuchten daher den Senat in Tübingen um einen Nachfolger. Am 27.4.1597 heiratete Kepler die wohlhabende zweifache Witwe Barbara Müller.

Als die Gegenreformation 1599 auch Graz erreichte wurden protestantische Geistliche des Landes verwiesen. Erzherzog Ferdinand erließ am 27.7.1600 das Dekret, dass sich alle Einwohner der Stadt Graz im ganzen Burgfried, bei 100 Dukaten Strafe zur Vornahme der Reformation am 31.7.1600 um 6 Uhr morgens einzufinden haben.

Die Reformationskommissare saßen an einem Tisch in der Mitte der Kirche. Jeder Anwesende der 1.000 Bürger wurde einzeln aufgerufen und nach dem Glaubensbekenntnis befragt. Wer nicht katholisch war oder sich nicht bereit erklärte, binnen kurzer Zeit katholisch zu werden, wurde ausgewiesen und musste nach Zahlung des zehnten Pfennings das Land verlassen – ihre Tätigkeit dauerte drei Tage.

Kepler wurde am 2.8.1600 befragt. Da er sich weigerte, zum Katholizismus überzutreten, wurde er nach Gewährung einer Abfertigung des Landes verwiesen. Am 30.9.1600 verließ Kepler mit Frau und Stieftochter Graz, er folgte einer Einladung des kaiserlichen Mathematikers Tycho Brahes nach Prag.

Prag PNG

 

 

Kepler in Prag

WEITERLESEN
link broken

In Prag arbeitete der 28-jährige Johannes Kepler beim 53-jährigen Kaiserlichen Hofmathematiker Tycho Brahe. Als dieser nach einem Jahr intensiver Zusammenarbeit unerwartet verstarb, wurde Kepler zu seinem Nachfolger ernannt. Vom Kaiser Rudolf II wurde er beauftragt, genaue Planetenörter, die vor allem die Seefahrer zur Navigation benötigten, zu berechnen. Kepler nannte dieses Werk die Rudolphinischen Tafeln.

Eines seiner wichtigsten Werke, Astronomia Nova (Neue, ursächlich begründete Astronomie oder Physik des Himmels), verfasste er 1609. Darin ist u.a. das zweite Keplersche Gesetz (Flächensatz – Flächen sind proportional zu den Zeiten) und das erste Keplersche Gesetz (Bahnen sind Ellipsen) ausführlich abgehandelt. Grundlage für Keplers Berechnung der Planetenbahnen waren die Jahrzehnte langen Beobachtungsreihen von Tycho Brahe. Diesem gelangen die zur damaligen Zeit genauesten Beobachtungen (Positionsbestimmungen) von Sternen, Kometen und Planeten, insbesondere des Planeten Mars.

Auf Seite 27 in „Astronomia Nova“ schreibt Kepler: „ … schaue man sich beide Körper (Sonne und Erde) an und bilde sich ein Urteil, von welchem die Quelle der Bewegung der Körper ausgeht […] müssen wir der Sonne Unbeweglichkeit, der Erde aber Bewegung zuschreiben“.

Nach der schwierigen Herleitung der einzig möglichen Bahnform als Ellipse schreibt er auf Seite 490 in „Astronomia Nova“: „ … daß für den Planet keine andere Bahnfigur übrig bleibt als eine vollkommene Ellipse, da hier die aus den physikalischen Prinzipien abgeleiteten Gründe […] im Einklang stehen.“

Kepler ging mit detektivischer Methode vor: Er eliminierte zunächst das logisch Unmögliche und dann das am wenigsten Wahrscheinliche, um die letzte logische Möglichkeit als die Wahrheit zu akzeptieren. Seine Berechnungen dauerten 8 Jahre und füllten am Schluss 900 Seiten! Das Ergebnis von Keplers detektivischer genauer Logik, mit der er Hypothesen aufstellte und prüfte, war eine Planetentheorie, die alles zuvor Dagewesene in den Schatten stellte. Mit seiner neuartigen Himmelsphysik überwand Kepler die Ätherphysik von Aristoteles (55 Äthersphären!) – eine astronomische Großtat.

Zwölf wissenschaftlich erfolgreiche Jahre wirkte Kepler in Prag. Doch als infolge des Streites zwischen Kaiser Rudolph und seinem Bruder Matthias im Februar 1611 Passauer Krieger in Prag einfielen, verließ er die Stadt.






Kepler in Linz


 

 

 

 

Nach dem Tod seiner Frau, zog Kepler in die kleine Stadt Linz. Er wollte die Rudolphinschen Tafeln fertigstellen und als Landschaftsvermesser eine Landkarte erstellen.

 

Pestsäule Linz PNG

 

 

 

 

 

In Linz schrieb er auch das Berühmteste seiner Werke und heute als das

3. Keplergesetz bekannt.

 


WEITERLESEN
link broken

Nach dem Tod seiner Frau Barbara (3.7.1611) und dem Tod Kaiser Rudolphs (20.1.1612) hielt Kepler nichts mehr in Prag.

Aus mehreren Optionen entschied er sich für den kleinen Ort Linz. Ausschlaggebend für seinen Entschluss waren seine Freunde - u.a. Baron Erasmus von Starhemberg, Georg Erasmus von Tschernembl, die protestantischen Führer von Oberösterreich und Maximilian von Liechtenstein. Sie boten ihm Schutz und Wohlwollen und Kepler hoffte, in dieser ruhigen Gegend ungestört arbeiten zu können. Auch Kaiser Matthias, für den Kepler ab März 1612 als Hofmathematicus arbeitete, hatte nichts gegen seinen neuen Arbeitsort Linz einzuwenden.
Keplers Bewerbungsschreiben als Landschaftsmathematiker vom 10.6.1611 an die Stände ist im OÖ Landesarchiv verwahrt. Er bezeichnete darin seinen Beruf in Linz als "Mathematicus".
Anders als in Graz, schuf man in Linz für Kepler eine neue geeignete Stelle an der Landschaftsschule. Seine beiden wesentlichen Aufgaben waren im Arbeitsvertrag festgehalten:
- Fertigstellung der Rudolphinischen Tafeln
- Anfertigung einer Landkarte als Landschaftsvermesser



Von einer Tätigkeit an der Landschaftsschule als Lehrer ist im Vertrag nichts vermerkt.
Mitte Mai 1612 kam Kepler in Linz an und blieb 14 Jahre lang, länger als in jeder anderen Stadt.
In Linz ging Kepler eine zweite Ehe ein. Er ehelichte nach reiflicher Prüfung von elf Ehekandidatinnen, Susanne Reuttinger, eine 24-jährige Vollwaise ohne Reichtum. Die Hochzeit fand am 30.10.1613 In Eferding statt. Die hohen Herren waren entsetzt, weil er vornehmere Partien ablehnte. Doch es war eine glückliche Ehe, Susanna schenkte ihm sieben Kinder, von denen aber die ersten drei früh starben.
Kepler wechselte in Linz mehrmals seinen Wohnsitz. Zunächst wohnte er „inn der Vorstatt zum Weingarten“, vermutlich die Kapuzinerstraße. Später übersiedelte er in ein Haus in der Hofgasse (21?), dann wechselte er in die Rathausgasse 5. Schlussendlich bezog er eine Wohnung im Landhaus an der Stadtmauer mit der Aussicht auf den Graben und die Vorstädte.
In Linz arbeitete er unermüdlich an seiner Hauptaufgabe, den Rudolphinischen Tafeln. Daneben verfasste er auch viele andere Werke (siehe unten). Das bedeutende 3. Keplersche Gesetz ist in seinem Werk „Harmonice mundi libri V“ enthalten.


Keplers Arbeit wurde ständig von Geldsorgen und anderen Schwierigkeiten behindert, wie zum Beispiel der Hexenprozess seiner Mutter, die Kalenderreform und später der Religionskonflikt. Als er seine Zustimmung zur Konkordienformel verweigerte, wurde er vom Abendmahl ausgeschlossen.
1622 erreicht die Gegenreformation auch Linz. Der Erlass der Generalausweisung der Protestanten:
„Wer nicht katholisch werden will, kann frei abziehen. Wer den hierfür auf Ostern 1626 angesetzten Termin versäumt, wird ausgewiesen und muss den zehnten Teil seines Vermögens zurücklassen.“ Kepler war zwar davon nicht betroffen, es wurde jedoch durch die Reformkommission seine geliebte Bibliothek am 1.1.1626 versiegelt. Als 1626 die Bauernkriege im Land wüteten, wohnte Kepler im Landhaus und musste diese unmittelbar erleben. Er schreibt: „Mit Hilfe Gottes und seiner Engel habe ich die Belagerung 14 Wochen lang sicher überstanden. Ich starb nicht an Hunger und brauchte auch kein Pferdefleisch zu essen. Nur wenige trafen es so gut wie ich.“

Seine Druckerei von Johannes Planck in der Lederergasse wurde zerstört, sie ging in Flammen auf, an eine Weiterführung des Druckes des Tafelwerkes war nicht mehr zu denken. Er ersuchte den Kaiser, nach Ulm übersiedeln zu dürfen und erhielt am 8.10.1626 den Passbrief von der Hofkanzlei. Nun konnte Kepler nichts mehr länger in Linz halten. Viele von denen, die ihm näher standen, waren bereits ausgewandert. Linz war in jeder Hinsicht ungastlich geworden. Wie in Graz und Prag hatten sich die Verhältnisse ohne sein Zutun so verschlechtert, dass er nicht mehr länger bleiben konnte. Am 20.11.1626 fuhr Kepler gemeinsam mit Frau, Kindern, Hausrat, Büchern, Handschriften und Druckmaterial auf einem Schiff stromaufwärts nach Regensburg. Ab hier musste er wegen der vereisten Donau mit dem Fuhrwerk weiter nach Ulm.

Erst am 3.7.1628 wurde seine Entlassung von den Linzer Ständen bewilligt.





Keplers Zeit nach Linz



Haus PNG

 

Kepler in Ulm und Sagan

WEITERLESEN
link broken

Nach vielen Mühen und hohen Kosten konnte Anfang September 1627 der Druck der Rudolphinischen Tafeln endlich fertiggestellt werden.
Bei einem vorübergehenden Aufenthalt in Prag, wo er wieder einmal Geld einzutreiben versuchte, traf Kepler General-Obrist-Feldhauptmann und General des baltischen und ozeanischen Meeres, Albrecht Wallenstein. Wallenstein, dem das schlesische Herzogtum Sagan als Lehen übertragen worden war, bot ihm einen Aufenthalt in Sagan an.

Um an einem ruhigen Ort ungestört seine wissenschaftlichen Arbeiten fortführen zu können, wechselte Kepler nach vielem Hin und Her nach Sagan, obwohl ihm klar war, dass er nun von einem Kriegsherrn bezahlt wurde.
Nach einjährigem Aufenthalt in Sagan meinte Kepler: „Ich bin Gast und Fremdling, fast völlig unbekannt, und verstehe kaum den Dialekt, wie ich selbst als Barbar angesehen werde.“
Noch war Sagan protestantisch.Doch als der katholische Kaiser Ferdinand am 6.3.1629 das sogenannte Restitutionsedikt erließ, wirkte sich dies auch bis nach Sagan aus.


Nachdem auch König Gustav Adolf von Schweden sein Reich nach Süden auszudehnen versuchte und Wallenstein im August 1630 abberufen wurde, war für Kepler klar, Sagan verlassen zu müssen.
Am 8.10.1630 reiste er ab mit den Zielen Leipzig, Nürnberg, Regensburg und Linz. In Linz wollte er zwei Obligationen mit insgesamt 3500 Gulden einlösen. In dieser Angelegenheit sollte er sich am 11.11.1630 bei den Linzer Ständen einfinden. Bei kaltem Novemberwetter ritt Kepler daher von Nürnberg nach Regensburg, wo er wenige Tage später schwer erkrankte und am 15.11.1630 um die Mittagszeit verstarb.

Frau PNG

 Seine Gattin:

WEITERLESEN
link broken

Keplers Witwe Susanne zog jahrelang durch ganz Deutschland und bemühte sich vergeblich, die ausstehende Besoldung ihres Mannes ausbezahlt zu bekommen. Nach dem Pesttod zweier ihrer vier verbliebenen Kinder ließ sie sich erschöpft und verarmt bei Freunden in Regensburg nieder. Sie verstarb im Jahr 1636.






Keplers drei Gesetze



1. Keplergesetz (Bahnform) PNG

1. Gesetz (Bahnform)


Die Planetenbahnen sind Ellipsen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht.

2. Keplergesetz (Flächensatz) PNG

2. Gesetz (Flächensatz)

 


Der Brennstrahl des Planeten (Verbindungslinie Planet-Sonne) bestreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen.
3. Keplergesetz (Umlaufzeiten) PNG
3. Gesetz Kepler (Umlaufzeiten):
Johannes Kepler entdeckte 1618 in Linz sein drittes Gesetz über die Umlaufzeiten versus Abstände.
Dieses Gesetz veröffentlichte er 1619 in „Harmonices mundi“. Untertitel: „Auf Ursachen begründet oder Physik des Himmels“.
 
T1² / T2² = a1³ / a2³
     Beispielhafte Anwendungen:
        - Massenbestimmung von Himmelskörpern
        - Bahnen von künstlichen Satelliten
                  Rechenbeispiel:
PLANET T (a) a (AE)
a³T² / a³

 Merkur

0,241 0,387 0,058  0,058 1,000

Venus

0,615 0,723 0,378 0,378 1,000

Erde

1 1 1 1 1

Mars

1,881 1,524 3,538 0,540 0,999

Jupiter

11,863 5,203 140,731 140,852 0,999

Saturn

29,448 9,555 867,184 872,353 0,994
WEITERLESEN
link broken

Johannes Kepler schreibt zu seinem dritten Gesetz in der Vorrede zur Weltharmonie: „Am 8. März dieses Jahres (1618), wenn man genaue Zeitangaben wünscht, ist sie (die Proportion) in meinem Kopf aufgetaucht. Ich hatte aber keine glückliche Hand, als ich sie der Rechnung unterzog, und verwarf sie als falsch. Schließlich kam sie am 15. Mai wieder und besiegte in einem neuen Anlauf die Finsternis meines Geistes, wobei sich zwischen meiner siebzehnjährigen Arbeit an den Tychonischen Beobachtungen und meiner gegenwärtigen Überlegung eine so treffliche Übereinstimmung ergab, dass ich zuerst glaubte, ich hätte geträumt und das Gesuchte in den Beweisunterlagen vorausgesetzt. Allein es ist ganz sicher und stimmt vollkommen, dass die Proportionen, die zwischen den Umlaufzeiten irgend zweier Planeten besteht, genau das Anderthalbe der Proportion der mittleren Abstände, d.h. der Bahn selber, ist.“






Werke & Quellen



Universum Symbol PNG

 

Kepler und seine Gedanken zur

            Massenanziehung

WEITERLESEN
link broken

In seinem Werk „Astronomia Nova“ machte sich Kepler Gedanken über Kräfte, die seiner Meinung nach zwischen Körpern vorherrschen müssten. Seite 326: „ … aber scheint die von der Sonne ausströmende Kraft im quadratischen oder kubischen Verhältnis der Abstände oder Ausflusslinien zu- und abnehmen zu müssen.“ Zur „wahren Lehre über die Schwere“ schreibt er unter anderem: Seite 29: „Die Schwere besteht in dem gegenseitigen körperlichen Bestreben zwischen verwandten Körpern nach Vereinigung oder Verbindung (von dieser Ordnung ist auch die magnetische Kraft), so dass die Erde viel mehr den Stein anzieht, als der Stein nach der Erde strebt .“ „Wenn man zwei Steine an einen beliebigen Ort der Welt versetzen würde, nahe beieinander außerhalb des Kraftbereiches eines dritten verwandten Körpers, dann würden sich jene Steine ähnlich wie zwei magnetische Körper an einem zwischen-liegenden Ort vereinigen, wobei sich der eine dem anderen um eine Strecke nähert, die der Masse des anderen proportional ist.“ Seite 31: „Wenn nämlich die anziehende Kraft des Mondes sich bis zur Erde erstreckt, so folgt daraus, dass sich umso mehr die anziehende Kraft der Erde bis zum Mond und noch viel höher erstreckt […] .“ 70 Jahre später entwickelte Isaac Newton sein Gravitationsgesetz …

Atom Symbol PNG

 

Kepler und die Rudolphinischen Tafeln

WEITERLESEN
link broken

Kepler und die Rudolphinischen Tafeln An den Rudolphinischen Tafeln Kepler arbeitete 25 Jahre. Die exakten Berechnungen der Planetenörter waren für Astronomen wie Seefahrer wichtig und galten bis ins Jahr 1700 als die besten Planetentafeln. 1624 war er mit dem Tafelwerk kurz vor dem Ziel und schrieb an seinen Freund Bernegger nach Straßburg: „Die Rudolphinischen Tafel, die ich von Tycho Brahe als Vater empfangen habe, habe ich nun ganze 22 Jahre in mir getragen und gebildet, wie sich allmählich die Frucht im Mutterleib bildet. Nun quälen mich die Geburtswehen.“ Jetzt musste sich Kepler noch intensiv mit den Erben von Brahe auseinandersetzen. Er war verpflichtet, diesen das Tafelwerk zur Begutachtung vorzulegen. In Linz war es unruhig geworden und die Druckerei des Johannes Plank war für die gewaltige Druckaufgabe zu klein. Zudem hatte er nicht genügend Geld für den Druck. Daher machte er sich wieder einmal auf den Weg zur Geldbeschaffung (siehe Kapitel „Kepler ständig in Geldnöten“). Zu allem Überfluss wurde Keplers Vorschlag, den Druck in Ulm durchführen zu lassen, vom Kaiser abgelehnt. „Der Druck muss in Österreich erfolgen“. Als die Druckerei von Johannes Planck im Laufe der Bauernkriege in Flammen aufging, war eine Weiterführung des Druckes des Tafelwerks nicht mehr möglich. Nun gab der Kaiser am 8.10.1626 die Zustimmung für den Druck in Ulm und dieser konnte endlich nach vielen Mühen und hohen Kosten fertig gestellt werden. 70 Jahre später entwickelte Isaac Newton sein Gravitationsgesetz …



LOG Symbol PNG

 

Kepler und das Rechnen mit Logarithmentafeln

WEITERLESEN
link broken

Kepler war auf eine neue Rechenmethode des Engländers John Neper aufmerksam geworden. – das Rechnen mit Logarithmen. Als er sich 1621 mit seinem früheren Lehrer Mästlin darüber unterhielt. meinte dieser, „es stehe einem Professor der Mathematik nicht an, sich über irgendeine Abkürzung der Rechnungen kindisch zu freuen“. Kepler war anderer Ansicht und verfasste ein eigenes Logarithmenbuch mit genauen Anleitungen.

Geld Symbol PNG

 

Kepler in Geldnöten

WEITERLESEN
link broken

Kepler war ständig in Geldnöten, weil ihm die versprochenen Beträge, wenn überhaupt, äußerst schleppend ausbezahlt wurden. Dazu ein Beispiel: 1624 waren 6299 Gulden von Kaiser Rudolph ausständig. Um sie einzutreiben, fuhr Kepler im Oktober zum Kaiserhof (Kaiser Ferdinand II) nach Wien. Nach vielen, vielen Verhandlungen erging im Dezember 1624 folgender kaiserlicher Befehl an das Reichspfenningmeisteramt in Augsburg: 3966 Gulden sind von der Stadt Nürnberg, 2233 Gulden von den Städten Memmingen und Kempten an Kepler auszuzahlen. Er selbst habe das Schreiben eigenhändig in Augsburg abzugeben.

Der Nürnberger Senat verweigerte die Ausbezahlung der fast 4000 Gulden, weil die städtische Kasse infolge stetiger Truppendurchzüge sehr erschöpft war. Mit einer neuerlichen kaiserlichen Aufforderung fuhr er wieder nach Augsburg. Diesmal verweigerte die Stadt die Anweisung an die drei Städte mit der Begründung der Unpünktlichkeit der Expedition, eine neuerliche Reklamation von Wien sei nötig. Schlussendlich erhielt er ein Drittel seines geforderten Betrages.



Kalender Symbol PNG

 

 Kepler und die

 Kalenderreform

WEITERLESEN
link broken

Im Jahr 1613 reiste Johannes Kepler im Auftrag des Kaisers Matthias nach Regensburg, wo er am Reichstag teilnahm.
Der Streit um die vom Papst Gregor 1582 eingeführte Kalenderreform währte schon 30 Jahre lang und Kepler wurde als Experte eingeladen. Der neue Kalender war bereits in den katholischen Ländern Europas eingeführt (Italien, Spanien, Frankreich, in den katholischen Niederlanden, in den katholischen Kantonen der Schweiz, in Polen und Ungarn), die protestantischen Fürsten Deutschlands verhielten sich jedoch ablehnend. Für diese Reise wurde Kepler von den Linzer Ständen freigestellt mit der Bemerkung „der Supplikant solle sich so bald als möglich wieder in seinen Dienst einstellen“. Kepler, der für die Kalenderreform war, konnte in Regensburg offenbar nicht überzeugen, denn erst im Jahr 1700 wurde diese von den protestantischen Fürstentümern übernommen.

Freunde Symbol PNG

 

Kepler, seine Freunde, seiner Gönner bzw. langjährige Briefpartner

WEITERLESEN
link broken

Kepler kam auf seinen ersten Reisen zu Tycho Brahe nach Linz, wo er sich mit seinem Landsmann Johann Memhard, pensionierter Rektor der Landschaftsschule, befreundete.
Starhemberg und Tschernembl waren Anführer der Aufständischen gegen den Kaiser. Als Starhemberg seiner Güter beraubt und verhaftet wurde, versuchte Kepler, dem unglücklichen Freund zu helfen.
In einem Brief 1625 flehte er "alle von der Gesellschaft Jesu an, dem ärmsten Erasmus Starhember, seinem größen Wohltäter, der jetzt in Not gestürzt", zu helfen. Ferdinand II gab Starhemberg 1627 die Güter zurück.
Mag. Michael Mästlin, Professor für Mathematik und Astronomie in Tübingen war sein Lehrer, Diskussionspartner und langjähriger Briefpartner.

Matthias Bernegger aus Hallstatt studierte Geschichte in Straßburg und führte einen regen Briefwechsel nach allen Seiten, so auch mit Galilei und Kepler. Kepler war sein treuester und uneigennützigster Freund bis zu seinem Tod. Bernegger war Universitätsprofessor in Straßburg. In Linz hatten sich beide am 17.7.1612 einmal auf Anregung von Johann Memhard getroffen. Johann Memhard hatte er bei seinen ersten Reisen nach Prag kennengelernt. Anton Wolfradt aus Köln wurde 1612 Abt vom Stift Wilhering bei Linz und 1613 auf Wunsch des Kaisers Abt vom Stift Kremsmünster. Kepler war mit ihm in freundschaftlicher Verbindung. Für den Druck der "Epitome astronomiae Copernicanae" erhielt Kepler von ihm 1619 einen Geldbetrag.

Als Wolfradt das mächtige Amt eines Hofkammerpräsidenten in Wien erlangte, wandte sich Kepler wegen ausstehender Gnadengelder und Hofbesoldung an ihn und erhielt daraufhin die kaiserliche Genehmigung , die ausstehenden Gelder einzutreiben (siehe „Kepler in Geldnöten“). Wilhelm Schickart war seit 1619 Professor für orientalische Sprachen und als Nachfolger von Mästlin seit 1631 Professor der Astronomie in Tübingen. Kepler hatte Schickart 1617 in Nürtingen kennengelernt und mit ihm dauernde Freundschaft geschlossen. Schickart zeichnete sämtliche Figuren für die Weltharmonik und stellte 1621 die Druckstöcke für die Figuren in den Büchern 5-7 der "Epitome astronomiae Copernicanae" her. Bei den Rudolphinischen Tafeln war er an der Zeichnung für die Weltkarte beteiligt und erstellte den ersten Entwurf zum Frontispiz. Vor der Pest in Tübingen floh er nach Wien. Bereits vor seiner Zeit in Linz war Kepler mit Persönlichkeiten aus Oberösterreich verbunden, wie beispielsweise mit dem Präsidenten der Stände, den tatkräftigen Wolfgang Jörger v. Tollet, kaiserlicher Hofkammerrat und Generalobrist der Landschaft ob der Enns (bis 1612). Dessen Sohn Helmhard Jörger (Verordneter des Herrenstandes von Oberösterreich) lud Kepler im Dezember 1610 ein, in die Dienste der Stände des Landes ob der Enns zu treten. Wie auch Kepler hatte Helmhard Jörger in Tübingen studiert. Sein erstes in Linz gedrucktes Werk „Nova stereometria doliorum vinariorum“ (1615) widmete Johannes Kepler dem Fürsten Maximilian von Lichtenstein sowie Helmhard Jörger von Tollet, der im Steyregger Schloss wohnte. Als heutiger Nachfolger ist Mag. Niklas Salm-Reifferscheidt von Steyregg stolz auf diese bedeutende damalige Verbindung mit dem berühmten Astronomen Johannes Kepler.



Hexe Symbol PNG

 

Kepler und der Hexenprozess seiner

            Mutter (1610 – 1621)

WEITERLESEN
link broken

In der Zeit der Hexenprozesse wurde auch Keplers Mutter Katarina wegen Hexerei angeklagt. Über den Prozess, der sechs Jahre dauerte, ist der umfangreiche Akt mit mehreren Hundert Seiten erhalten geblieben: Frau Ursula R. hegte einen tiefen Hass gegen die Keplerfamilie und streute Gerüchte. Auszug aus den Beschuldigungen (1615):
- Frau R. beschuldigte die Keplerin, so wurde sie genannt, dass ihr nach einem Trunk bei ihr übel geworden sei und eine schwere Erkrankung verursacht habe
- Die Frau des Metzgers Christoph F. wusste zu berichten, dass ihr Mann einmal plötzlich Schmerzen am Schenkel verspürt habe, als die Keplerin, ohne ihn anzurühren, an ihm vorübergegangen sei
- Der Schneider Daniel S. gab der Keplerin Schuld am Tod seiner beiden Kinder. Die Keplerin habe bei ihm zuhause immer wieder einen Segen über sie gesprochen – die Kinder seien in Siechtum verfallen
- Andere behaupteten, die Keplerin sei bei geschlossener Türe ins Haus gekommen


Da sich die Zeugenbefragung verzögerte, holte Johannes Kepler seine altersschwache 70-jährige Mutter im Dezember 1616 nach Linz, was dieser als Flucht ausgelegt wurde und man daraufhin ihr Vermögen sperrte. Neun Monate später wollte Katarina Kepler wieder in ihre vertraute Umgebung zurück. Im Juli 1618 wurde die Keplers Mutter verhaftet, mit den Zeugen konfrontiert und mit Folter bedroht. Die Keplerin blieb standhaft und verweigerte jegliches Geständnis. „Macht, was ihr wollt. Wenn ihr mir schon eine Ader nach der anderen aus dem Leib ziehen würdet, wüßte ich nichts zu bekennen“. Keplers verfasste eine umfangreiche Verteidigungsschrift, die bewirkte, dass seine Mutter nach 14-monatiger Haft freigelassen wurde. Sie verstarb jedoch sechs Monate später.

Mond Sichel Symbol PNG
Keplers Traum vom Mond
WEITERLESEN
link broken

(Joh. Keppleri Mathematici olim Somnium,Seu Opus Posthumum de Astronomia Lunari) Kepler berichtet in dieser Geschichte von Duracota, der von der Insel Levania träumt, die den Mond symbolisieren soll. In dieser märchenhaften Erzählung werden astronomische und geologische Gegebenheiten sehr anschaulich beschrieben. Eindrücklich beschreibt er den Start dorthin: Diese Anfangsbewegung ist für ihn die schlimmste, denn er wird gerade so emporgeschleudert, als wenn er durch die Kraft des Pulvers gesprengt über Berge und Meere dahin flöge. Deshalb muss er zuvor durch Opiate betäubt und seine Glieder sorgfältig verwahrt werden, damit sie ihm nicht vom Leibe gerissen werden. So viel soll über die Reise nach Levania gesagt sein. Im Folgenden will ich von der Beschaffenheit dieses Landes reden, indem ich nach Sitte der Geographen von dem aus­gehe, was man am Himmel sieht. Am Himmel sind neben den Sternen die Volva (Erde) zu sehen. Die Bewohner unterteilen die Mondoberfläche in die subvolvane (der Volva zugewandte) und die privolvane (der Volva abgewandte). Tag und Nacht am Mond sind immer gleich (in Summe ungefähr ein Erdenmonat). Subsolvaner: sie genießen den Anblick der Volva, sie erscheint mit ungefähr viermal so großem Durchmesser als unser Mond. Die Volva steht für die Subsolvaner unbeweglich wie mit einem Nagel am Himmel angeheftet fest. Ebenso wie unser Mond nimmt ihre Volva ab und zu, aus gleicher Ursache. Es gibt Neuvolva wie Vollvolva. Privolaner: für 15 bis 16 Erdentage herrscht finstere Nacht und unerträgliche Kälte, alles starrt von Eis und Schnee. Für 14 Erdentage glüht die Sonne hell am Himmel. Unerträgliche Hitze, wohl 15 mal so glühend wie in unserem Afrika.

Die Lebewesen: Sie haben keinen festen Wohnsitz, die meisten sind Taucher, um der glühenden Sonne zu entkommen. Die schlangenartige Gestalt herrscht im Allgemeinen vor. Alles was der Boden hervorbringt, entsteht und vergeht an einem und demselben Tage, indem täglich Frisches heranwächst. Die erste Fassung von 1611 überarbeitete Kepler 1621. Dieses Werk wurde erst in seinem letzten Lebensjahr in Sagan gedruckt und vier Jahre später auf Betreiben seiner Erben 1634 herausgegeben.

Im Jahr 1898 erschien das Buch in Leipzig auch in Deutscher Fassung.



Weinfässer Symbol PNG

 

Kepler und die

     Weinfässer

WEITERLESEN
link broken

Bei einer Lieferung von bestellten Weinfässern war Kepler über die primitive Bestimmung des Fassinhaltes irritiert. Der Verkäufer hielt lediglich den Messstab schräg durch die Einfüllöffnung und bestimmte so den Fassinhalt ohne weitere Berechnungen und völlig unabhängig von der Fassform. Kepler nahm dies zum Anlass, eine völlig neue Rechenmethode zu entwickeln (Vorläufer der Integralrechnung), die den Rauminhalt unter Berücksichtigung der Fassform exakt bestimmte. Das zu diesem Thema verfasste Buch „Nova stereometria doliorum vinariorum“ ließ Kepler 1615 durch den eigens nach Linz geholten Drucker Hans Plank aus Erfurt drucken. In Planks Druckerei in der Lederergasse fand der erste Buchdruck in Linz statt. Ein Jahr später veröffentlichte Kepler für den allgemeinen Gebrauch dieses Buch auch in Deutsch mit dem Titel „Messekunst Archimedis“.

Bücher Symbol PNG

In Linz vollendete bzw. veröffentlichte wichtige

                        Werke

WEITERLESEN
link broken

·Nova stereometria doliorum vinariorum; 1615 ist sein erstes in Linz gedrucktes Buch. Dieses Werk ist in einer Vitrine der Johannes Kepler Universität zu bewundern.

·Messkunst Archimedis; 1616 Deutsche Ausgabe der Nova sterometria doliorum vinariorum

·Epitome Astronomiae Copernicanae; 1618 und 1621 umfasst vier Lehrbücher über die kopernikanische Astronomie und war mehrere Jahrzehnte lang das meistgelesene Werk über theoretische Astronomie in Europa.

·Harmonice mundi libri V; 1619 beinhaltet fünf Bücher über die Weltharmonik. Im Buch V ist das 3. Keplersche Gesetz formuliert.

·De Cometis Libellitres; 1619 besteht aus drei Büchern über Kometen.

·Chilias Logarithmorum ad Totidem Numeros Rotundos; 1624 und 1625 Diese genauen Logarithmentafeln erstellte Kepler für seine Berechnungen der Rudolphinischen Tafeln.

·Tabulae Rudolphinae; 1624 25 Jahre arbeitete Kepler an diesem Tafelwerk zur exakten Berechnung der Planetenörter, das sowohl für Astronomen als auch für Seefahrer wichtig war. Bis 1700 galten sie als die besten Planetentafeln.
·Somnium, Seu Opus Posthumum de Astronomia Lunari; 1611 und 1622 Dieser Roman erzählt einen Traum von der Mondfahrt.

·Horoskope und Jahreskalender



Verwendete Quellen:
Johannes Kepler, Biographie von Max Caspar, Nachdruck 1995, GNT-Verlag
Johannes Kepler, Monographie von Mechthild Lemcke, 1995, rororo
Kepler – Museum in Weil der Stadt, Führer, Kepler Gesellschaft Weil d. Stadt,  1982 Kepler und die Nachwelt, Heimatverein Weil der Stadt, 52. Jahrgang 2009

 

 


 

Johannes Kepler, Astronomia Nova, neue ursächlich begründete Astronomie, Übersetzung von Max Caspar 1929, Nachdruck vom marixverlag, 2005 Somnium, www.naturwissenschaften-entdecken.de
written by Erich Meyer (LAG), 30.9.2015